Was ist Projektion?

Was ist Projektion?

Projektionen? Was genau bedeutet das? Was sind Projektionen? Betrifft das mich? Wer projiziert was wohin? Projiziere ich auf andere? Wie gehe ich damit um?

Kennst du solche oder ähnliche Fragen? Ja? Dann freue ich mich, dass du hier einiges über dieses Thema finden wirst. Nein? Oh aber das solltest du. Projektionen sind viel interessanter als du jetzt vielleicht glauben magst. Weißt du warum? Weil es auch DICH betrifft. Ja genau, auch du projizierst. Wir alle tun das.

Projektion – was ist das?

Eine Definition

Das Wort Projektion kommt vom lateinischen „proicere“ und bedeutet „vorwerfen, hinauswerfen, hinschleudern“. In der Psychologie wird es beschrieben mit „unbewusste Verlagerung innerpsychischer Inhalte auf andere Personen oder Objekte“. Es bezeichnet einen Abwehrmechanismus, Du verlagerst praktisch von Innen (deine Eigenschaften) nach Außen (auf andere Menschen). 

Vereinfacht gesagt bedeutet es, dass du anderen Menschen Eigenschaften, Probleme, Schwächen und auch Stärken (!) zuschreibst, die du in DIR trägst. Du verbirgst sie in dir und „wirfst“ sie sozusagen – unbewusst – wie ein Projektor, nach Außen. Auf deine Mitmenschen. Oder auch auf Objekte. Und genau dort fällt es dir dann auf. Und zwar unangenehm.

Wenn du z.B. jemanden den Vorwurf der Rücksichtslosigkeit machst, obwohl du eigentlich selber rücksichtslos bist. Oder du dich über eines anderen Ungeduld ärgerst weil du selbst ungeduldig bist, es aber an dir nicht leiden kannst und deshalb ablehnst. Diese Eigenschaften bei sich zu erkennen, fällt natürlich schwer. Beginnst du aber hier deine eigenen Projektionen aufzudecken, dann hast du ein magisches Werkzeug an der Hand, mit dem du Macht über dein Leben zurück gewinnst. Diese Projektionen sind deine verborgenen Schattenanteile.

Schattenanteile

Früher ärgerte ich mich öfter über Menschen, die sich ständig in den Vordergrund spielten. Sich wichtig machten. Ich fand diese Menschen schnell unsympathisch und angeberisch. „Ist ja nicht meins, es kann mich doch völlig kalt lassen“, so dachte ich am Anfang.

Bis ich begann mich mit Projektionen und Schatten zu beschäftigen. Sehr schnell merkte ich „Das ist sehr wohl meins!“ Diese Menschen taten genau das, was ich nicht tat, mir selbst nicht erlaube. Ich nahm mich zu wenig wichtig und traute mir nicht viel zu. Also empfand ich das als nicht okay, das diese Menschen das auslebten, was ich nicht tat. So langsam kapierte ich, dass ich selbst es war die meine Schattenteile auf andere projizierte.

Das hat mich fasziniert und ich begann mich noch viel intensiver mit Themen der Schattenarbeit zu beschäftigen. (darüber erzähle ich hier mehr) Schattenanteile (Projektionen) schlummern in dir. Sind verdrängt. Und alles Verdrängte ist nie wirklich weg. Auch wenn du es nicht siehst. 

Vielleicht hast du dir als kleines Kind -so wie ich – auch mal die Augen zugehalten und gedacht keiner kann dich nun sehen? Genau so funktioniert es auch bei all den Anteilen die du in dir ablehnst und nicht magst. Sie verschwinden nicht.

Sie lauern in der finsteren Ecke. Sie verfolgen dich wie unsichtbare dunkle Wolken. Diese Teile, die du geschickt tarnst, damit keiner sie sieht, sind immer noch ein Teil von dir. Somit versteckst du immer auch einen Teil (oder besser gesagt Teile) von dir selbst. Das ist ein nur allzu menschlicher Abwehrmechanismus. Aber es liegt in unserer, in deiner Verantwortung, bewusst hinzusehen. Sonst zeigst du dich nicht wirklich echt.

Schatten zeigen sich als Projektionen

Schatten kommen in Form von besorgten Gedanken, ängstlichen Gefühlen, Wut oder Trauer immer wieder zu dir. Oft dann, wenn du eigentlich zur Ruhe kommen magst (Wochenende oder Urlaub). Oder in Form eines Streits, den du heraufbeschwörst (oder dein Gegenüber) und keiner weiß mehr was eigentlich der Auslöser war.

Diese Schatten sind wie große Kochtöpfe mit Deckel, die am Herd stehen. Zuerst beginnen sie zu simmern, dann zu köcheln und irgendwann wild zu blubbern. Der Druck steigt in den Töpfen. Und wenn du die Temperatur nicht zurück drehst oder den Deckel vom Topf nimmst, wird er irgendwann explodieren. 
So auch deine Schatten. Irgendwann beginnen sie (im innen) zu kochen und dann kommt es zur Explosion. Das kannst du anhand von (manchmal recht überzogenen) Gefühlsausbrüchen erkennen. 

Oder du triffst ungünstige Entscheidungen aus einer falschen Emotion heraus. Deine Stimmung kippt von einer Sekunde auf die andere (und du hast keinen Schimmer warum). Es kann auch passieren, dass du Menschen verletzt oder du dabei selber dabei verletzt wirst.

Das passiert immer dann, wenn „der Topf am Herd“ explodiert, deine Schatten sich (unkontrolliert) einen Weg ins Außen bahnen. Nicht aber, wenn du rechtzeitig den Deckel vom Topf nimmst. Den Herd abschaltest. Oder den Topf vom Herd nimmst. Um vielleicht gleich mal rein zu sehen, was da überhaupt drin ist…

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich „Wie soll ich den Topf vom Herd nehmen, wenn ich nicht mal weiß, dass ein Topf am Herd steht!?!“ Gute Frage, Schatten sind schlaue und kluge Gesellen. Sie haben einen Weg gefunden, sich trotzdem in deinem Leben zu zeigen. Sich sichtbar zu machen. Uns zwar als Projektionen in deinem Leben.

3 Varianten was Projektion ist

• Schattenprojektion auf Personen

Statt sie an dir zu sehen und wahrzunehmen, projizierst du sie auf andere Menschen. Den Egoismus, die Eifersucht, den Groll, die Gier, die Unpünktlichkeit, die Faulheit, den Neid, die Ungeduld, die Aggressivität – die du in dir nicht sehen willst, erkennst du in anderen Menschen, die du genau dafür verurteilst. All diese Eigenschaften, die du bei dir ablehnst, kannst/musst/darfst du nun bei anderen Menschen sehen.
Toll, oder?

Wie erkennst du, das es deine Schatten sind, die sich auf andere projizieren? Immer dann, wenn du emotional darauf reagierst. Du ärgerst dich drüber, regst dich auf, oder es macht dich wütend oder traurig. Wusstest du, dass das auch umgekehrt funktioniert?

Wenn du eine Person sehr verehrst, bewunderst, sie auf einen Sockel stellst, zeigen sich auch hier Seiten an dir die du in dir hast, aber nicht lebst. Auch das sind Schatten. Aspekte, die du nicht auslebst in deinem Leben. Man könnte sagen, das ist eine Art „positiver Schatten“. Auch äusserst interessant hier mal genauer hin zu sehen.

• Schattenprojektion als Symptome oder Krankheiten

Hier wird der Körper als eine Art „Bühne“ benützt. 

Es entstehen Symptome und Krankheiten, weil du eine bewusste Bearbeitung deiner Themen verweigerst. Psychische Probleme (deine Themen de du bearbeiten solltest) werden quasi in organische Symptome (Krankheitsbilder) umgewandelt. Dafür gibt es auch einen hübschen Namen. Diesen Vorgang wird „somatisieren“ genannt.

Wenn du z.B. regelmäßig Magenschmerzen hast, kannst du dich fragen: Was liegt dir schwer im Magen? Was kannst du nur schwer verdauen? Welche Nahrung (Informationen, Gefühle) die du zu dir nimmst, bekommt dir nicht? Dein Körper kümmert sich darum Emotionen auszudrücken, die du empfindest. Wenn diese Emotionen nicht ausgedrückt werden können, werden sie somatisiert.

• Schattenprojektion bei Situationen

Themen die du hast (und dir nicht ansiehst) können sich auch als negativ empfundene Situationen zeigen. Oder sich als ständig wieder kehrenden Situationen zeigen. Durch diese Art des sich zeigens, wirst du sozusagen in die Richtung geschubst, wo du hingucken sollst. 

Z.B. dein Partner belügt, betrügt dich (womöglich eine wiederkehrende Situation?) Jetzt könntest du eine neue Sichtweise ausprobieren – diesmal NICHT einfach auf alle Männer schimpfen – und dich fragen:

Wo belügst du andere? Wo belügst du dich? WO betrügst du andere? Wo betrügst du dich? Das kann auch eine völlig andere Ebene in deinem Leben betreffen. Du lügst womöglich gerne mal bei deinem Arzt (Stichwort Krankmeldung), beim Finanzamt…auch das sind Lügen. So kann sich dein Lügen (beim Arzt) Ausdruck verleihen, indem dich z.B. dein Partner belügt.

Das alles sind nur Beispiele, es kann so viel Verschiedenes hinter deinen Schatten verborgen sein. Immer jedoch sind es Teile von dir, die du auf Andere projizierst. All dies möchte gerne integriert und angesehen werden.

Tipps bei Projektionen

• Hinsehen

Wirkliches Hinsehen bedeutet für mich in erster Linie, ein bewusstes Wahrnehmen was ist. Was heißt das?

1.Du bemerkst, dass du gerade urteilst oder jemand bei dir eine emotionale Reaktion auslöst.

2. Du fragst dich: „Welche Eigenschaft stört mich gerade? Welche Eigenschaft löst mein Urteil, meine Reaktion (Ärger, Frust, Groll, Trauer) aus?

3. Du erkennst um welche Eigenschaft es geht und sagst dir (innerlich) „Ja, diese Eigenschaft hat mit MIR zu tun. Diese Eigenschaft steckt in mir.

An dieser Stelle ist diese Eigenschaft (dein Schattenanteile) noch nicht integriert, aber die ersten unerlässlichen Schritte sind getan: Du hast bewusst hingesehen. Du übernimmst Eigenverantwortung. Du sagst JA zu diesem versteckten Teil in dir. Gratuliere, den ersten riesengroßen Schritt hast du somit schon getan! 

Einige wunderbare Frauen meiner Email-Beratung, empfinden gerade diesen einen Schritt als extrem erleichternd und befreiend.

• Übung Schattenanteile erkennen

Schreibe für eine Woche alles auf, was dich bei anderen Menschen ärgert und aufregt. Welche Eigenschaft ärgert dich? Was hat der Mensch deines Ärgernisses an sich, was dich stört oder aufregt? Mach das mal eine ganze Woche und du hast eine nette Liste mit Eigenschaften, die in dir stecken und du nicht wahr haben magst. Du wirst erstaunt sein, was sich alles zeigen wird.

Viel Spaß und wundervolle Erkenntnisse beim Projektionen ansehen und Schattenteile erkennen!

Ich freue mich auf deine Kommentare um zu erfahren, was du alles rausgefunden hast. Und welche Erfahrungen du mit dieser Übung gemacht hast. 
Soo spannende Dinge zeigen sich, wenn wir auf diese innere Reisen gehen.

Vielleicht ruft dich auch ein Schattenclearing für tieferes Eintauchen in deine innere Welt?

Eintauchende Herzensgrüße, 
Belinda

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